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Juli 22, 2008

Bücher ab 2,95

Filed under: Bücher — claudiathur @ 12:56 pm
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Es gibt sie inzwischen überall. Bücherschnäppchen, Sonderangebote, Alles muss raus!

Bücher im Ausverkauf, so billig es geht. Bücher sind inzwischen manchmal billiger als Toilettenpapier. Hieran sind die Ansprüche ja auch viel höher. Es darf nicht kratzen, soll gut duften, und neuerdings muss es sogar lustige Geschichten vermitteln. Ganz ehrlich: 3 Rollen mit je 150 Blatt für 9,95€, auf den Text hochgerechnet sind das Preise, von denen herkömmliche Bücher manchmal nur noch träumen können.
Ein Grund für diese Preisgestaltung bei Büchern mag die Flut der minütlichen Neuerscheinungen sein. Die Zahl der Leser ist nunmal rückläufig. Eine Entwicklung die zu ungefähr gleichen Anteilen der Geburtenrate, PISA und RTL zuzuschreiben ist.
(Die Hauptschuld allerdings liegt bei WordPress, ist ja klar. Die Leute verlernen ja das Lesen, wenn sie ständig Blogs schreiben und Beiträge kommentieren.)
Aber warum müssen denn dann soviele Bücher weiterhin produziert werden, wenn doch klar ist, dass die Leute sie nicht mehr lesen werden, und dass sie erst verkäuflich sind, nachdem sie durch einen Mängelstempel von der Preisbindung befreit werden?
Diese Ramschentwicklung muss doch von den Verlagen als lohnend einkalkuliert werden.
Zugegeben, die meisten der Ramschbücher enthalten Rezepte (Kochbücher kann schließlich niemand genug haben, besitze selbst etwa fünfzig davon), aber es finden sich immer auch Bücher darunter, die von früheren Lesern als sehr gut bewertet wurden, die sich möglicherweise als wahre Schätze herausstellen werden.
Im Internethandel werden sie verkauft um die Lagerhallen für Neuerscheinungen freizumachen, für Antiquitätenhändler stellen Bücher oft lästiges Füllmaterial der aus Nachlässen erworbenen Regale dar, die dann in Pappkartons vor den Läden stehen und nach Gewicht berechnet werden.
Wer ein Café oder ähnliches einrichten möchte kann Regalmeter kaufen. Damit ist nicht der Regalboden, sondern tatsächlich, die aus Büchern bestehende Regalfüllung gemeint.
Man sollte nicht auf die Idee kommen, ein Buch aus einem solchen Regal zu nehmen um es zu lesen, man begeht damit einen gesellschaftlichen Fauxpas.
Bücher sind Dekorationsobjekte, ihr Preis bemißt sich am Einband.
Ledergebundene Bücher mit Goldschnitt können noch teuer verkauft werden. Neuerscheinungen, falls sie modern sind machen sich ebenfalls gut in den Regalen. Also so etwas wie Harry Potter, obwohl der langsam entsorgt werden sollte. Wer den noch immer im Regal stehen hat macht sich zum Gespött. Schließlich kennen wir den Inhalt der Bücher bereits aus den Filmen.
Die Inhalte seines Billy regelmäßig auszutauschen zeugt in unserer modernen Gesellschaft von Intellektualität, nur geistig Minderbemittelte haben es nötig, die Bücher nach dem ersten Durchblättern noch zu behalten. Wer klug genug ist lernt ja schon alles aus dem wiederholten Lesen der Titel. Hat man sich die Einbände also einen Monat lang angesehen, kann man sich neuen Themen widmen.
Und je schöner der Einband, desto klüger das Buch.
Wer also nicht als arrogant gelten möchte, kauft immer auch Bücher im Taschenbuchformat, oder mit buntem Rücken. Diese müssen aber in weit größerer Zahl angeschafft werden, um im Regal Wirkung zu erzielen.
Auf genau diese Entwicklung scheinen die Verlage zu zielen, wenn sie Bücher produzieren, die mit ihren bunten Bildern auf der Außenseite, nur darauf warten, dass die Preisbindung erlischt, damit sie auch für Regalmeterjunkies erschwinglich werden.
Wehe denen, die in all diesen Papierbergen tatsächlich nach Büchern suchen, die sie lesen wollen.

Juli 15, 2008

Deutsche Buchpreisbindung

Filed under: Bücher — claudiathur @ 12:24 pm
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Nein, nicht die verbindliche, die Bücher vor dem verramschen schützen soll. Es geht um den Deutschen Buchpreis, den eigentlich unverbindlichen. Die Ehrung, den Preis, nicht die Kosten.
Wieso dann Bindung?
Das klingt so negativ. Und ein Preis für das beste Buch ist doch etwas feines oder nicht?

Aber das ist die verbindliche Buchpreisbindung ja auch, auch wenn das in Zeiten von Geiz ist geil nicht so aufgefasst wird. Die Buchpreisbindung soll sicherstellen, dass der Wert eines Buches nicht an den Herstellungskosten von Papier und Druckerschwärze gemessen wird, dass auch dann, wenn Autor und Lektoren bezahlt sind, deren Leistung noch gewürdigt wird, und das Buch nicht als bedrucktes Papierbündel, sondern weiter immer noch als Buch verkauft werden muss.

Die Verleihung des Deutschen Buchpreises soll wohl ähnliches bewirken. Nicht von ungefähr kam wohl gerade der Börsenverein deutscher Buchhändler auf die Idee diesen Preis zu verleihen. (Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, der Preis wird zwar verliehen, aber die Autoren müssen ihn nicht zurückgeben) Das Ganze ist eine Werbeveranstaltung für das Lesen im allgemeinen und auffallend gute Bücher im Besonderen.

Durch die Vergabe des Preises binden sich die Buchhändler daran, diesem Buch besondere Aufmerksamkeit zu widmen, und es in den Regalen immer vorrätig zu halten. Dem ausgezeichneten deutschen Buch also dieselben Ehren zuteil werden zu lassen, wie Bestsellern aus anderen Sprachräumen, wie Harry Potter oder Maeve Binchy. Die Buchhändler erhoffen sich aus solch einer Veranstaltung natürlich steigende Umsatzzahlen. Doch diese Umsatzzahlen resultieren aus einer Hoffnung der Leser.

Bei mehreren Hundert Verlagen in Deutschland (wer nachzählen will findet bei Wikipedia eine Liste), die sicher alle mehr als ein Buch pro Monat herausgeben, ist es für die meisten Leser mehr als schwierig sich in diesem Bücherwald zurechtzufinden und sich für ein Buch zu entscheiden. Besonders, wenn man bedenkt, dass 33% der Deutschen ohnehin schon seltener als einmal im Monat dazu kommen ein Buch zu lesen. Wer sowenig Zeit zu lesen hat, wird wohl noch genauer hinschauen, bevor er ein Buch kauft. Oder das Lesen schlimmstenfalls sogar ganz einstellen, aus Angst die wenige freie Zeit mit schlechten Texten verbringen zu müssen.

Ein Buchpreis soll also eine Art Qualitätssiegel sein, ein Versprechen an den Leser, dass er sich hiermit ein gutes Buch zulegt. Leider wächst auch die Zahl der Buchpreise in den letzten Jahren wie Unkraut, wodurch die schwere Auswahl zwischen unzähligen Büchern nun ausgetauscht wurde gegen die schwere Auswahl zwischen unzähligen Preisen. Wer im Buchladen steht hat nun die Auswahl zwischen sehr vielen Preisträgern. Neben dem Deutschen gibt es zahlreiche regionale Preise, thematische, politische, internationale, altergruppenspezifische und und und. Sich hier zurechtzufinden ist eine Lebensaufgabe, der sich die wenigsten Leser stellen wollen. Klar scheint nur: wer keinen Preis hat, kann auch nicht gut sein.

Deswegen werden auch Platzierungen in Bestsellerlisten, wie Ehrenabzeichen auf dem Bucheinband getragen. Wer über den Preis nicht konkurieren kann, der muss eben mit Lametta glänzen. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage was der erst vierjährige Deutsche Buchpreis über Werbung hinaus darstellen kann.

Die jährlich wechselnde Jury wird von einer Akademie berufen. (Wenn das mal nicht an den Academy Award erinnern soll. Ach nein, falsches Medium) Diese Akademie besteht aus elf Personen, die im Buchgeschäft heimisch sind. Immerhin wird der Präsident des Götheinstitutes zuerst genannt, die Akademie ruht also auf klassischen Wurzeln. Auch die in diesem jahr gewählte Jury besteht überwiegend aus Akademikern, und ausschließlich aus Personen, die sich seit Jahren mit Literatur auseinandersetzen.

Die Ansprüche, die der Preis erhebt, sind also hoch. Hohe Ansprüche verschrecken aber den Laien häufig, da unter diesen Ansprüchen oft die Lesbarkeit leidet. Würde aber in der Ausschreibung des Preises auch auf die Lesbarkeit hingewiesen, würde darunter, zumindest den Vorurteilen nach, der Anspruch leiden. Wie oft wurde nicht der Literaturnobelpreisträger als unleserlich beschimpft, während Texte, die in der Bild empfohlen werden, ungelesen als Schund verurteilt werden. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, dass der Literaturnobelpreisträger in der Bild empfohlen wurde.

Welche Bindung geht wohl der Deutsche Buchpreis ein?

Juli 10, 2008

Platons Philosophenstaat

Filed under: Politik — claudiathur @ 11:51 am
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Ich hatte ja Aktualität versprochen. Nun ist jedoch Platons Philosophenstaat recht weit weg von dem, was wir heute Freiheit und Demokratie nennen, wo soll da die Aktualität sein, mag mancher sich fragen. Platon steckt die Kinder kurz nach ihrer Geburt in verschiedene Kasten, lässt sie entfernt von ihren Eltern aufwachsen, und allein die Herrscherkaste darf über die Belange des Staates entscheiden, und sich selbst aussuchen, wer Nachfolger wird.

Ein Wechsel der Kaste ist unmöglich, da die gewährte Ausbildung nur auf den vorgesehenen Beruf ausgerichtet ist. Ein selbstbestimmtes Leben wird dem Individuum also vom Regenten verwehrt, da die Auswahl des Berufes bereits in frühester Kindheit getroffen wird.

Wo will ich da wohl eine Aktualität für unsere heutige Politik finden?
Platon findet hier Lösungen auf heutige Probleme, nur leider sind seine Lösungen so radikal, dass sie nicht umsetzbar sind. Aber vielleicht findet sich in dieser Radikalität doch ein Merkmal, an dem wir uns heute noch ausrichten können.

Dass Kinder bei ihren Eltern aufwachsen dürfen gehört heute zu den unantastbaren Grunddrechten. Glauben zumindest viele. Die Möglichkeit der Ausnahmen ist groß. Das Jugendamt darf gefährdete Kinder in ein Heim stecken, Eltern dürfen ihre Kinder freiwillig zur Adoption freigeben, oder in ein Internat schicken. Der heilige Zusammenahlt der Familie ist gar nicht so heilig, wie oft behauptet wird. Und spätestens, wenn mal wieder eine Nachricht besagt, dass Eltern ihre Kinder getötet, misshandelt oder sonstwie geschädigt haben werden die Rufe laut, warum denn nicht früher jemand die Kinder da rausgeholt habe.

Platon nimmt die Kinder grundsätzlich sofort aus den Familien, damit ihnen dort nichts böses geschehe. „Oh aber das geht doch nicht! Es sind doch nicht alle Eltern schlecht.“ Nun das ist wieder eine Definition dessen, was wir unter guten Eltern verstehen.

Groß ist immer das Gerede, wie unterschiedlich die Chancen auf einen Universitätzugang für Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten sind. Niemand ist überzeugt davon, dass die Kinder von Akademikern bessere Akademiker sein können, als Kinder von Landwirten oder Arbeitslosen. Dennoch wundert es niemand, dass dennoch die einen in einer für angehende Akademiker positiven Umgebung aufwachsen, während den anderen durch ihre soziale Umgebung ein Leben als Handwerker näher gelegt wird, ohne auf die individuellen Fähigkeiten der Kinder zu achten.

Weiter geht es am Ende dieser Ausbildung. Ungeachtet der Fähigkeiten und Interessen der Bürger, wird jedem ein gleiches Recht eingeräumt, an der Politik des gesamten Landes mitzuwirken. Menschen ohne jede pädagogische Erfahrung dürfen Bildungsminister werden, Menschen, die selbst ihrer Schuldenberge nicht Herr werden, dürfen den Finanzminister wählen.

Wäre es da nicht besser, wenn die platonischen Philosophenherrscher, die bestimmte Tugenden erfüllen müssen um ihre Regentschaft ausüben zu dürfen, die Geschicke des Staates leiten?

Diese Regenten denken nicht an ihren eigenen Vorteil, da sie dem Privatbesitz abgeschworen haben. Ein Diätenerhöhungsskandal kommt bei Platon nicht vor. Sie machen den Bauern keine unsinnigen Vorschriften, die die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben und dennoch die Bauern an den Rand der Armut bringen, da sie wissen was gut und richtig ist.

Es scheint zwar als wären die Regenten in diesem Staat die freiesten Bürger, da ihnen allein die beste Bildung und die Macht über den Staat gehört. Aber im Gegenteil laden die Regenten die Verantwortung für alle anderen auf sich, geben damit mehr Freiheiten auf, als die anderen. Die Freiheit sich ein Leben voller Spaß und Vergnügen leisten zu können erkaufen sich die Bürger des dritten Standes mit der Freiheit der Philosophen an sich selbst denken zu können.

Die Freiheiten dieses dritten Standes will heute jeder genießen, sie sind das, was man in unserer postmoderenen Gesellschaft als Freiheit an sich versteht. Die Pflicht Politik zu betreiben verträgt sich aber nicht mit dieser Art von Freiheit. Selbst wenn es nur ein Kreuzchen alle vier Jahre ist, verlangt unser politisches System, dass diese Wahl nicht unreflektiert und nach persönlichen Vorlieben getroffen wird, sondern, dass persönliche Vorlieben hintangestellt werden und jeder Wähler sich selbst aktiv um die notwendigen Informationen kümmert, die er benötigt, um die richtige Wahl treffen zu können.
Einfacher wäre Platons Modell allemal.
Und wenn die Bürger es sich tatsächlich einfach machen, hätte Platon auch das bessere Modell.

Juli 8, 2008

Mal wieder ein Buch lesen?

Filed under: Uncategorized — claudiathur @ 11:21 pm
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Bücher, das sind gebundene Papieransammlungen, meist voller Text, meist offline.
Um sie lesen zu können muss man sie in die Hand nehmen und öffnen.

Nein, Doppelklicken funktioniert nicht. Halten Sie das Buch mit dem Titel nach oben (Große Bücher kann man auch auf den Tisch legen) und klappen Sie den Deckel um. Zum scrallen innerhalb des Textes blättern Sie die einzelnen Seiten weiter.

Kommentare zu den einzelnen Kapiteln lassen sich mit dem sogenannten Bleistift oder alternativ auch mit dem Kugelschreiber hinzufügen. Für den Fall späterer Korrekturen ist der Bleistift vorzuziehen, da Kugelschreiber die Funktion Löschen nicht besitzt.

Da Bücher aber in der Regel offline sind, ist eine Diskussion mehrerer Leser mit den Autoren innerhalb des Buches nicht möglich. Leider sind viele Autoren auch außerhalb des Buches nicht bereit auf Kommentare zu antworten. Die meisten nennen als Grund ihr eigenes Ableben.

In solchen Fällen kann man auch davon ausgehen, dass der Text keine Ergänzungen erhalten wird.

Obwohl also viele Bücher nicht täglich aktualisiert werden, sind viele von ihnen dennoch aktueller als manche Blogs. Besonders in philosophischen Texten werden Themen behandelt, die auch nach zwei Jahrhunderten nicht an Relevanz für die aktuelle Situation der Leser verloren haben.

Konkrete Beispiele werden natürlich folgen.

Juli 7, 2008

Warum Text?

Filed under: Uncategorized — claudiathur @ 1:51 pm

Wäre Bilder kucken oder Lieder hören nicht viel einfacher?
Schrift ist doch veraltet. Damit haben sich vielleicht die Leute im finsteren Mittelalter beschäftigt, weil die böse Kirche Lieder verboten hat und Filme noch nicht erfunden waren.

Eher nicht. Aber wenn wir eines aus 2500 Jahren Medienkritik gelernt haben, dann dass neue Medien alte niemals ablösen sondern höchstens in ihrer Bedeutung verschieben. Ja genau! Schrift gehört ebenso zu den Medien wie Rundfunk und Fernsehen, und die Sprache. Und da Schrift ein Medium der Sprache ist, handelt es sich hierbei sozusagen um eine doppelte Verschlüsselung. Es reicht nicht die Buchstaben zu kennen, man muss auch die Sprache, die ausgedrückt wird verstehen.

Wäre das jetzt nicht ein Grund doch zu akzeptieren, dass Texte veraltet sind und lieber die Bild lesen? Da muss man nichts verstehen.

Aber einfach ist langweilig!

Darum Text!

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