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Juli 15, 2008

Deutsche Buchpreisbindung

Filed under: Bücher — claudiathur @ 12:24 pm
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Nein, nicht die verbindliche, die Bücher vor dem verramschen schützen soll. Es geht um den Deutschen Buchpreis, den eigentlich unverbindlichen. Die Ehrung, den Preis, nicht die Kosten.
Wieso dann Bindung?
Das klingt so negativ. Und ein Preis für das beste Buch ist doch etwas feines oder nicht?

Aber das ist die verbindliche Buchpreisbindung ja auch, auch wenn das in Zeiten von Geiz ist geil nicht so aufgefasst wird. Die Buchpreisbindung soll sicherstellen, dass der Wert eines Buches nicht an den Herstellungskosten von Papier und Druckerschwärze gemessen wird, dass auch dann, wenn Autor und Lektoren bezahlt sind, deren Leistung noch gewürdigt wird, und das Buch nicht als bedrucktes Papierbündel, sondern weiter immer noch als Buch verkauft werden muss.

Die Verleihung des Deutschen Buchpreises soll wohl ähnliches bewirken. Nicht von ungefähr kam wohl gerade der Börsenverein deutscher Buchhändler auf die Idee diesen Preis zu verleihen. (Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, der Preis wird zwar verliehen, aber die Autoren müssen ihn nicht zurückgeben) Das Ganze ist eine Werbeveranstaltung für das Lesen im allgemeinen und auffallend gute Bücher im Besonderen.

Durch die Vergabe des Preises binden sich die Buchhändler daran, diesem Buch besondere Aufmerksamkeit zu widmen, und es in den Regalen immer vorrätig zu halten. Dem ausgezeichneten deutschen Buch also dieselben Ehren zuteil werden zu lassen, wie Bestsellern aus anderen Sprachräumen, wie Harry Potter oder Maeve Binchy. Die Buchhändler erhoffen sich aus solch einer Veranstaltung natürlich steigende Umsatzzahlen. Doch diese Umsatzzahlen resultieren aus einer Hoffnung der Leser.

Bei mehreren Hundert Verlagen in Deutschland (wer nachzählen will findet bei Wikipedia eine Liste), die sicher alle mehr als ein Buch pro Monat herausgeben, ist es für die meisten Leser mehr als schwierig sich in diesem Bücherwald zurechtzufinden und sich für ein Buch zu entscheiden. Besonders, wenn man bedenkt, dass 33% der Deutschen ohnehin schon seltener als einmal im Monat dazu kommen ein Buch zu lesen. Wer sowenig Zeit zu lesen hat, wird wohl noch genauer hinschauen, bevor er ein Buch kauft. Oder das Lesen schlimmstenfalls sogar ganz einstellen, aus Angst die wenige freie Zeit mit schlechten Texten verbringen zu müssen.

Ein Buchpreis soll also eine Art Qualitätssiegel sein, ein Versprechen an den Leser, dass er sich hiermit ein gutes Buch zulegt. Leider wächst auch die Zahl der Buchpreise in den letzten Jahren wie Unkraut, wodurch die schwere Auswahl zwischen unzähligen Büchern nun ausgetauscht wurde gegen die schwere Auswahl zwischen unzähligen Preisen. Wer im Buchladen steht hat nun die Auswahl zwischen sehr vielen Preisträgern. Neben dem Deutschen gibt es zahlreiche regionale Preise, thematische, politische, internationale, altergruppenspezifische und und und. Sich hier zurechtzufinden ist eine Lebensaufgabe, der sich die wenigsten Leser stellen wollen. Klar scheint nur: wer keinen Preis hat, kann auch nicht gut sein.

Deswegen werden auch Platzierungen in Bestsellerlisten, wie Ehrenabzeichen auf dem Bucheinband getragen. Wer über den Preis nicht konkurieren kann, der muss eben mit Lametta glänzen. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage was der erst vierjährige Deutsche Buchpreis über Werbung hinaus darstellen kann.

Die jährlich wechselnde Jury wird von einer Akademie berufen. (Wenn das mal nicht an den Academy Award erinnern soll. Ach nein, falsches Medium) Diese Akademie besteht aus elf Personen, die im Buchgeschäft heimisch sind. Immerhin wird der Präsident des Götheinstitutes zuerst genannt, die Akademie ruht also auf klassischen Wurzeln. Auch die in diesem jahr gewählte Jury besteht überwiegend aus Akademikern, und ausschließlich aus Personen, die sich seit Jahren mit Literatur auseinandersetzen.

Die Ansprüche, die der Preis erhebt, sind also hoch. Hohe Ansprüche verschrecken aber den Laien häufig, da unter diesen Ansprüchen oft die Lesbarkeit leidet. Würde aber in der Ausschreibung des Preises auch auf die Lesbarkeit hingewiesen, würde darunter, zumindest den Vorurteilen nach, der Anspruch leiden. Wie oft wurde nicht der Literaturnobelpreisträger als unleserlich beschimpft, während Texte, die in der Bild empfohlen werden, ungelesen als Schund verurteilt werden. Selbst wenn sich später herausstellen sollte, dass der Literaturnobelpreisträger in der Bild empfohlen wurde.

Welche Bindung geht wohl der Deutsche Buchpreis ein?

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