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April 1, 2009

Das Verbrechen der Vernunft

Filed under: Bücher — claudiathur @ 1:20 pm
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Das Verbrechen der Vernunft.
von Robert B. Laughlin
Erschienen in der Edition unsfeld im Suhrkamp Verlag

Betrug an der Wissensgesellschaft! Ist das Buch untertitelt.
Ein Großer Titel, ein Werk das viele wichtige Fragen zu stellen weiß. Leider von einem Autoren, der sie nicht mit gebührendem Respekt behandelt. Und leider nicht nur die Fragen, sondern auch die Logik und das wissenschaftliche Denken an sich tritt dieser Robert gerne mal mit Füßen.
Bereits auf der ersten Seite belehrt er uns, dass all unsere Jugenderfahrungen zum Thema Wissen falsch sind.
Die Ansicht, „Vernunft und Verstehen seien natürliche menschliche Fähigkeiten, auf die wir ein Recht hätten“ (S.7) sei falsch, weil ökonomisch wertvolles Wissen Privateigentum sei.
Nun der Mann mag Recht haben, dass manche Fakten zu Privateigentum erklärt werden, doch dies ändert doch nichts an der Tatsache, dass Vernunft und Verstehen an sich etwas gutes sind, und in dieser Gesellschaft für förderungswürdig gehalten werden.
Doch solche Fehler in der Argumentation sollen uns Leser nicht davon abhalten die Denkanstöße des Werkes zu bemerken und zu reflektieren.
Wir stehen am Beginn der so genannten Wissensgesellschaft, Information wird damit zu einem immer wichtiger werdenden Gut. Vielleicht auch umgekehrt, wie Laughlin mehrfach hinweist. Die Information wird zu einem Gut gemacht, und dadurch entsteht erst die Wissensgesellschaft. Doch die Frage nach dem Huhn und dem Ei halte ich an dieser Stelle für zweitrangig. Entscheidend ist, dass Information, also Faktenwissen, momentan einen wirtschaftlichen Wert besitzen kann, und das nicht ausschließlich wenn es geheimgehalten wird. Der Wert wird durch Geheimhaltung allenfalls gesteigert, nicht hervorgerufen.
Jeder Mensch auf der Erde weiß, wie ein Rad funktioniert, dennoch ist dieses Wissen für einen Reifenhersteller nicht wertlos. Ohne dieses Wissen könnte er keine brauchbaren Reifen produzieren. Hat er jetzt zudem noch Wissen über eine besondere Gummimischung kann er bessere Reifen als seine Konkurrenten herstellen. Er ist im Vorteil, solange das Wissen um die Gummimischung geheim bleibt. Dennoch bleibt ja nicht ausgeschlossen, dass sein Konkurrent Forscher daran setzt, eine noch bessere Mischung zu entwickeln. Wenn dem das gelingt, kann die eigene Mischung so geheim sein, wie sie will, sie bringt keinen Vorteil mehr. Aber kein Reifenhersteller käme nun auf die Idee, das alte Rezept zu löschen. Und warum?
Weil dieses Wissen immer noch seinen Wert für die Reifenherstellung hat. Es ist nicht mehr die beste Mischung aber immer noch eine gute.
Doch Laughlin möchte uns weiß machen, dass das alte Rezept auf den Müll kommt, sobald irgendwo eine neue Mischung entdeckt wurde. Man hat nicht mehr das neueste Wissen, also hat man gar keines mehr.
Ähnlich müssen sich Schüler fühlen, denen in der Schule vieles über Politik und Geschichte beigebracht wurde, und an der Uni weiht ein älteres Semester in die Hohe Kunst der Verschwörungstheorie ein.
Vergiss, was du bisher gelernt hast, hier lernt du wie es wirklich ist.

Laughlin spricht sich in einem Text deutlich gegen Urheberrechtsschutz und Patente aus. Die Beispiele die er nennt regen auch zum Nachdenken an. Wenn es tatsächlich so ist, dass durch die Patentierung des menschlichen Genoms Forschungen eingestellt werden mussten, weil sie an Teilen dieses Genoms forschten, dann ist das Patentamt an dieser Stelle mehr als zu weit gegangen. Wenn jedoch ein Labor viel Geld in die Entwicklung eines Arzneimittels steckt, dann ist es doch normal, das dieses Labor auch die Lorbeeren der Forschung ernten möchte. Schwarze Schafe, die nach Ablauf des Patents mit Tricks ihr Monopol sichern möchten, wird es immer geben. Sie sind kein Grund das gesamte Patentsystem abzuschaffen.
Am Ende seines Werkes erschafft Laughlin ein Utopie. Eine Gesellschaft auf dem Mond, die kein Patentrecht kennt. Eine Welt in der jeder forschen darf woran er will, und jeder die Ergebnisse anderer Forscher für sich nutzen kann.
Einen Fehler hat diese Utopie, die Gesellschaft auf dem Mond hatte eine Wirtschaft. Sie kannten Geld, kaufen und verkaufen.
Geldverdienen war einer der Hauptanreize in dieser Gesellschaft etwas zu tun.
Was sollte also in dieser Gesellschaft jemanden dazu bewegen langwierige Forschung zu betreiben?
Die einfachste Art Geld zu verdienen wäre doch, zu warten bis ein Kollege kurz vor der Vollendung seiner Erfindung steht und diese dann zu stehlen. Oder sogar erst nach Vollendung der Erfindung, das ganze nachzubauen und mit geschickterem Marketing an die Kundschaft zu bringen.
Ohne den Schutz geistigen Eigentums, wäre Innovation in einer kapitalistischen Gesellschaft nicht möglich.
Erfindungen würden sich auf Werbesprüche und minimale Änderungen bekannter Dinge beschränken.
Die Menschheit brauchte 20 000 Jahre vom Rad zum Automobil, aber nur wenige Jahrzehnte von der Dampfmaschine zum Atomkraftwerk.
Der Schutz geistigen Eigentums erschafft doch erst das Klima in dem hauptberufliche Forscher wachsen. Ohne Patente bleibt der Fortschritt dem Zufall überlassen.

Dennoch sollte Laughlins Buch Gehör finden. Denn die Regulierungswut, die alle Bereiche unseres Lebens bereits ergriffen hat, macht auch vor dem Schutz geistigen Eigentums nicht Halt, und treibt hier Blüten, die jeden Vorteil in ihren eigenen Albtraum verwandeln.
Das Buch „Das Verbrechen der Vernunft“ soll zum Nachdenken anregen. Und trotz aller logischer Mängel tut es das auch.

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