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Juni 20, 2009

John Cage: 4’33“

Filed under: Musik,Philosophie — claudiathur @ 9:55 am
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Das Stück 4’33“ von John Cage ist leider eine viel zu selten aufgeführte Komposition. Daher konnte man gestern im Rahmen eines philosophischen Konzerts an der Uni Koblenz daran teilhaben.
Eine genauere Vorankündigung, welches Stück zu dieser Gelegenheit zu Aufführung kommen sollte wurde bewußt vermieden, da wir ein möglichst unvoreingenommenes Publikum um uns versammeln wollten. Doch dies wäre kaum notwendig gewesen.
Wie ich selbst erfahren konnte benötigt man das vorherige Unwissen nicht um das Stück in all seiner Originalität genießen zu können, selbst bei der Zugabe weiß die Komposition einen noch zu überraschen.
Ich selbst war Dirigentin des Orchesters und obwohl ich wußte was kommt, ich selbst den Startschuss gab, war ich doch überwältigt von der Wahrnehmung, dass es tatsächlich still war.
Ein leider viel zu selten aufgeführtes Stück und mehr Musik als vieles von dem Lärm, der einem sonst als Musik verkauft wird.

Juni 11, 2009

Die deutsche Sprache ist Freeware, du kannst sie benutzen, ohne dafür zu bezahlen. Sie ist aber nicht Open Source, also darfst du sie nicht verändern, wie es dir gerade passt.

Auf den ersten Blick erschien mir dieser Satz SOOOOO richtig, dass ich ihn sofort zu meinem Motto machen wollte. Doch in einem Gespräch erkannte ich die Zweideutigkeit dieser Bemerkung, und die offensichtliche Falschheit der von mir nicht sofort erkannten Deutung.
Es ist richtig, man darf die Sprache nicht verändern wie es einem gerade passt. Es gibt Sachen, die sind einfach falsch, und das tut man seiner Muttersprache einfach nicht an. Hierzu zählen in meinen Augen zum Beispiel die berühmten Genitivapostrophe, die neuerdings auch immer öfter im Plural zu entdecken sind. Hierzu zählen aber auch viele Werbesprüche, die mit offensichtlicher Falschheit Aufmerksamkeit erregen wollen.
Das Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und all die anderen Werke von Bastian Sick können noch viele solcher Beispiele aufzählen, in denen die deutsche Sprache gequält und gegeißelt wird.
Doch bei genauerem Hinsehen entspricht dies nicht der Warnung, die deutsche Sprache sei nicht Open Soource. Jeder, der schon einmal mit entsprechenden Programmen gearbeitet hat, wird wissen, dass Fehler auch hier unerwünscht sind. Open Source ist eine Möglichkeit Programme zu verbessern. Auf die Sprache bezogen, Dinge auszudrücken, die vorher nicht ausdrückbar waren.
Wäre eine Sprache ausschließlich Freeware, also nicht veränderbar, dann würden wir heute noch genauso sprechen, wie vor 1000 Jahren. Wie würden wir uns wohl ausdrücken, wenn wir nach dem Bus zum Flughafen fragen? Wie würden wir unsere Gefühle ausdrücken? Die ja etwas einmaliges sind, die eíne Ausdrucksweise verlangen, die noch niemand vor uns benutzt hat.
Sprache ist etwas lebendiges. Sie will auch lebendig genutzt werden, und dies ist nur auf dem „Open Source Modus“ möglich. Die jetzt gesprochene Sprache ist begrenzt. Die Grammatik ist begrenzt, die Vokabeln sind es. Um etwas neues auszudrücken muss die Sprache erweitert werden.
Doch wie kann dies geschehen, ohne, dass wir uns in einem babylonischen Kauderwelsch verlieren?
Wittgenstein wollte die Grenzen der Sprache anerkennen, worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen. Es wäre schade sich mit dieser Einsicht abzufinden, ohne die Möglichkeiten der Sprachneugestaltung voll auszuschöpfen.
In diesem Sinne, ein Frühliungsgedicht:

Auf
Bäumen
Crabbeln
Die
Eichhörnchen.
Flatterlinge
Gleiten
Hin
In
Jubelnd
Klares
Lachen.
Meine
Nase
Ortet
Prima
Qurillfeuer.
Rasen
Sitzend
Teilen
Unsere
Vesper,
Während
Xenien
Yust
Zwitschern.

Juni 1, 2009

Leben wie ein i-Dötzchen

Filed under: Lesen,Werbesprüche — claudiathur @ 5:56 am
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Wenn man nochmal erleben möchte wie ein Erstklässler sich fühlt, wenn er durch eine Stadt läuft, sollte man eine Reise nach Griechenland erwägen,
Es ist so irritierend vor den vielen Plakaten und Schriftzügen zu stehen, ohne wirklich zu vertehen was dort steht. Gut es mag schwieriger sein, weil mir nicht nur die Buchstaben sondern auch die Sprache Schwierigkeiten machen. Letztere komischerweise mehr. Dabei hab ich doch bei Herrn Meyer griechisch gelernt.
(Wer diesen Witz jetzt nicht versteht sollte sich mal Walther von der Vogelweide im Original durchlesen. Der war noch einige hundert Jahre später.) Aber zurück zu den Buchstaben. Ich kenne alle. Das wars aber auch schon. Jedenfalls bei den Großen. Und Plakate, das kennt man auch von zuhause, sind selten wie normale Texte geschrieben. Aber im Gegensatz zu einem i-Dötzchen, das freiwillig und mit großer Neugier versucht jedes Plakat zu entziffern, und sich über die Erfolge freut, bin ich es inzwischen so gewohnt, Plakate lesen zu können, dass ich mich nur mit großer Mühe dagegen wehren kann, solange auf die Plakate zu schauen, bis sich mir der Wortklang erschlossen hat. Was nicht unbedingt förderlich ist, wenn man sich unterhalten möchte.
Aber vielleicht ist dieser Aufenthalt auch die richtige ZEN-Übung, um die Aufmerksamkeit, die man Plakatbotschaften zuwendet in Zukunft besser kontrollieren zu können.

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