Text

Juni 11, 2009

Die deutsche Sprache ist Freeware, du kannst sie benutzen, ohne dafür zu bezahlen. Sie ist aber nicht Open Source, also darfst du sie nicht verändern, wie es dir gerade passt.

Auf den ersten Blick erschien mir dieser Satz SOOOOO richtig, dass ich ihn sofort zu meinem Motto machen wollte. Doch in einem Gespräch erkannte ich die Zweideutigkeit dieser Bemerkung, und die offensichtliche Falschheit der von mir nicht sofort erkannten Deutung.
Es ist richtig, man darf die Sprache nicht verändern wie es einem gerade passt. Es gibt Sachen, die sind einfach falsch, und das tut man seiner Muttersprache einfach nicht an. Hierzu zählen in meinen Augen zum Beispiel die berühmten Genitivapostrophe, die neuerdings auch immer öfter im Plural zu entdecken sind. Hierzu zählen aber auch viele Werbesprüche, die mit offensichtlicher Falschheit Aufmerksamkeit erregen wollen.
Das Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ und all die anderen Werke von Bastian Sick können noch viele solcher Beispiele aufzählen, in denen die deutsche Sprache gequält und gegeißelt wird.
Doch bei genauerem Hinsehen entspricht dies nicht der Warnung, die deutsche Sprache sei nicht Open Soource. Jeder, der schon einmal mit entsprechenden Programmen gearbeitet hat, wird wissen, dass Fehler auch hier unerwünscht sind. Open Source ist eine Möglichkeit Programme zu verbessern. Auf die Sprache bezogen, Dinge auszudrücken, die vorher nicht ausdrückbar waren.
Wäre eine Sprache ausschließlich Freeware, also nicht veränderbar, dann würden wir heute noch genauso sprechen, wie vor 1000 Jahren. Wie würden wir uns wohl ausdrücken, wenn wir nach dem Bus zum Flughafen fragen? Wie würden wir unsere Gefühle ausdrücken? Die ja etwas einmaliges sind, die eíne Ausdrucksweise verlangen, die noch niemand vor uns benutzt hat.
Sprache ist etwas lebendiges. Sie will auch lebendig genutzt werden, und dies ist nur auf dem „Open Source Modus“ möglich. Die jetzt gesprochene Sprache ist begrenzt. Die Grammatik ist begrenzt, die Vokabeln sind es. Um etwas neues auszudrücken muss die Sprache erweitert werden.
Doch wie kann dies geschehen, ohne, dass wir uns in einem babylonischen Kauderwelsch verlieren?
Wittgenstein wollte die Grenzen der Sprache anerkennen, worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen. Es wäre schade sich mit dieser Einsicht abzufinden, ohne die Möglichkeiten der Sprachneugestaltung voll auszuschöpfen.
In diesem Sinne, ein Frühliungsgedicht:

Auf
Bäumen
Crabbeln
Die
Eichhörnchen.
Flatterlinge
Gleiten
Hin
In
Jubelnd
Klares
Lachen.
Meine
Nase
Ortet
Prima
Qurillfeuer.
Rasen
Sitzend
Teilen
Unsere
Vesper,
Während
Xenien
Yust
Zwitschern.

Advertisements

21 Kommentare »

  1. „Zwitschern“ ist eine sehr aktuelle Form mit Sprache umzugehen, die zu interessanten Ergebnissen führen kann: http://www.freitag.de/kultur/0926-twitteratur-literatur-romane http://www.twitkrit.de/

    Kommentar von Knut — Juli 1, 2009 @ 4:38 am | Antwort

  2. Richtig müsste es also heißen: Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, du kannst sie benutzen, ohne dafür zu bezahlen. Sie ist aber nicht Open Source, also darfst du sie nicht verändern, wie es dir gerade passt.

    Kommentar von Christoph — März 8, 2010 @ 12:07 pm | Antwort

  3. Nein, die Aussage „Open Source, also darfst du sie nicht verändern, wie es dir gerade passt.“ ist grundsätzlich falsch, egal welchen Begriff man an den Anfang setzt.

    Kommentar von Claudia — März 8, 2010 @ 1:42 pm | Antwort

  4. Ich persönlich finde die Aussage abr absolut richtig.

    Die deutsche Sprache wird ja nicht von heute auf morgen einen Versionssprung machen. Die deutsche Sprache bekommt ständig updates, das ist richtig. Was letzenendes aber in den Programmcode kommt, entscheiden verschiedene Einrichtungen, welche eben die Worte, welche hinzukommen absegnen sollen. Alles andre kann man (Bsp: Handy == Mobiltelefon) bestenfalls als Alias abtun, nicht aber als Erweiterung des deutschen Wortschatzes.

    Kommentar von Perstin — April 21, 2010 @ 9:50 am | Antwort

  5. Der Haken an der Sache ist nur, dass wir heute nicht mehr nach dem „Bus zum Flughafen“ fragen, sondern nach dem „Shuttle“ zum „Airport“ …
    Veränderungen führen leider allzu oft zu Verstümmelungen, weswegen es heutzutage auch keine Fahrkarten, Eintrittskarten oder Strafzettel mehr gibt, sondern meist nur noch „Tickets“.

    Kommentar von Martin — Juli 16, 2010 @ 2:39 pm | Antwort

  6. @ Perstin: Aber wer sind denn die Einrichtungen, die entscheiden, was in den „Programmcode“ aufgenommen wird? Sogar der Duden orientiert sich da einzig daran, welche Worte wie genutzt werden. Und Handy ist ein deutsches Wort, in keiner anderen Sprache wird es verstanden. Nur weil es zwei Worte gibt, die das gleiche ausdrücken, ist damit nicht eines der Worte wichtiger, als das andere. Oder wie verstehst du den Begriff alias?

    @ Martin: Veränderungen und Lehnwörter sind nicht grundsätzlich Verstümmelungen. Wo wären wir heute ohne Fundamente, Anoraks oder Telefone? Nur weil es auch Grundsteine, Wintermäntel und Fernsprecher gibt, verlieren die Lehnwörter damit noch nicht ihre Berechtigung. Und wenn das Wort sich nicht in die Sprache einfügen will, passiert ihm das gleiche, wie schon dem Parablü, sie werden vergessen.
    Ein Tagesguck lässt sich eben nicht erzwingen, wie schon die Romantiker feststellen mussten. Es gab Versuche die deutsche Sprache zu reinigen, von allem, was von außen kam. Der Grundstein ist eines der wenigen Kunstwörter, die überlebt haben. In den Tag gucken wir immer noch durchs Fenster.

    Kommentar von claudiathur — Juli 20, 2010 @ 12:42 pm | Antwort

  7. Ja aber die Meisten Leute sind eben keine Programmier, oder Neologen, Orthograpgen oder Deutsch-Experten.

    D.h man sollte veränderung nur vornehmen, wenn man was davon vertseht.

    Kommentar von Matthias — Januar 27, 2011 @ 2:05 pm | Antwort

  8. @ Matthias
    Genau darum geht es doch bei Open Source: Man muss keinen Uni-Abschluss haben, um eine Programmänderung vornehmen zu dürfen. Ob die Änderung übernommen wird, entscheidet die Allgemeinheit. Wenn du den Code willkürlich und planlos änderst, wie es dir gerade passt, wirst du von anderen entsprechende Reaktionen erhalten, wenn du mit den Veränderungen das gewünschte Ergebnis erzielst, werden andere deine Änderungen übernehmen.

    Kommentar von claudia — Januar 27, 2011 @ 2:15 pm | Antwort

  9. @ claudia:
    Wenn dem wirklich so wäre, dann frage ich mich , warum haben ein paar wenige Gelehrte über die neue Rechtschreibreform entschieden?
    Wenn die Allgemeinheit entschieden hätte, wäre ich doch zumindest nach meiner Meinung gefragt worden.

    Und wenn es Open Scource wäre, wie kann sich dann ein Deutschlehrer erdreisten, meine „Anpassungen“ (also meine Fehler) als falsch zu beurteilen?
    Das widerspricht dem Open Scource Prinzip vollkommen.

    Kommentar von Michael — August 16, 2011 @ 2:26 pm | Antwort

    • @ Michael
      Die Rechtschreibreform ist eine ganz andere Baustelle. Und zahlreiche Reformreformen haben bereits bewiesen, dass sich eine Sprachgemeinschaft keine Regeln aufzwingen lässt. Positiv betrachtet: Bei dieser Reform wurde ein Versuch gestartet, die Rechtschreibung allgemeingültiger zu machen. Es wurden häufige Fehler, die in Schulen beobachtet wurden, untersucht und auf logische Konsequenz hin überprüft. Daher wurde ja zum Beispiel der dritte Konsonant, der vielfach unter den Tisch fallen musste wieder salonfähig gemacht. Nicht weil die Experten das für schöner hielten, sondern weil Generationen von Schülern es stets so machen wollten.
      Und der Deutschlehrer soll den Kindern in der Schule ja erstmal die Grundregeln beibringen. Denn erst, wer diese Regeln beherrscht ist in der Lage, vernünftige und sinntragende Änderungen zu machen. Und Fehler als falsch zu beurteilen obliegt nicht nur dem Lehrer, sondern jedem, der enen tesd ui leens vresuught, bie dre fr Shriese kien blahm had. (der einen Text zu lesen versucht, bei dem der Schreiber keinen Plan hat.)
      Open source Programmierer ändern das Programm auch nicht, indem sie es ohne Sorgfalt abschreiben, sondern indem sie sich über jede Änderung Gedanken machen, was sie bewirken soll. Übernommen wird nur, was funktioniert.

      Kommentar von claudiathur — August 16, 2011 @ 3:01 pm | Antwort

  10. „Um etwas neues auszudrücken muss die Sprache erweitert werden.“ ??? Was gibt es denn „NEUES“ auszudrücken??

    Ehh Alda, kommse mit schuulä oda wadd? Ich bin Alldie. Foll konkret krass.

    Open Source bedeutet, jeder kann damit machen, was er will. Und das passiert mit Software wie mit der Sprache. Einige machen es ordentlich, die anderen pfuschen daran herum. Bei Open Source Software ist das erlaubt, bei meiner Muttersprache verbitte ich mir so etwas.

    Kommentar von Kack Bratze — September 6, 2011 @ 11:28 am | Antwort

    • Neues gibt es vieles. Die Welt ist eben eine andere als noch vor 100 Jahren. Schau dich doch mal um. Mit der Sprache des Mittelalters wärst du an vielen Stellen aufgeschmissen.

      Und wer bei Software rumpfuscht, wird zurecht gerügt oder in extremen Fällen sogar bestraft. Man darf nicht einfach Änderungen einfügen, die sich dann zum Beipsiel viral verhalten. Man darf auch keine Bugs einbauen und dann nur drüber lachen, wenn die anderen sich über die Fehler beschweren. Wer das mehrfach macht, wird in der entsprechenden Community ausgeschlossen und seine Erweiterungen werden gemieden. Genau das passiert auch in der Sprachgemeinschaft. Wenn auch nicht immer in dem Maße, wie konservative Geister sich das wünschen.

      Kommentar von claudiathur — September 6, 2011 @ 11:57 am | Antwort

      • Konservative Sprecher gehen vermutlich von einer großen Sprachgemeinschaft aus und entfernen sich damit schon von einer Realität, die von Forks nur so wimmelt. Wo gibt es denn Das Deutsche (oder was war die Sprache des Mittelalters)? Der Duden hat lange Jahre nur einen Teil des ist-Zustands abgebildet, vermutlich mit einer gehörigen Portion sozialen Vorurteils (als Messlatte wird wohl selten die Sprache der Arbeiter oder der Migranten genommen worden sein, sondern eher die der bürgerlichen Oberschicht). Noch vorher hat Luther die Bibel so übersetzt, wie er das für richtig hielt. Beide Werke wurden als Norm genommen, waren aber selbst einfach nur ein Abbild eines willkürlichen Ausschnitts des Vorhandenen. Dass dieses Vorhandene doch noch umfangreicher und vielfältiger ist, wird dann zwar als Makel wahrgenommen, ist aber nur eine Folge der selektiven Entstehung der jeweiligen Norm. „Das Deutsche“ ist insofern ebenso real und konkret wie „Der Deutsche“ oder auch „Linux“.

        Kommentar von Knut — September 6, 2011 @ 12:11 pm

  11. Open Source bedeutet zwar, dass jede damit machen kann, was sie will, aber ob sich die Änderungen durchsetzen hängt dann von anderen ab. Bei Software entsteht durch dieses Prinzip kein Pfusch oder Chaos, sondern sehr erfolgreiche und gute Programme, siehe Firefox, Linux, Apache, usw.. Die Sprache hat jedoch den Nachteil, dass sie deutlich resistenter ist als Code. Wenn jemand in ein Programm Unsinn einfügt, läuft das jeweilige Programm in der Regel nicht mehr und so ist klar erkennbar, dass es sich um schlechten Code handelt. Sprache läuft stattdessen einfach weiter.Wäre ja auch blöd, wenn es bei jeder Schakkeline einen Bluescreen gäbe. Die Vorstellung jedoch, dass Sprache deshalb von Experten geregelt werden müsse folgt daraus nicht. Es entstehen zwar immer wieder Subsprachen, die meist mit verschiedenen Regionen, Milieus oder Schichten verbunden sind, aber auch diese werden durch soziale Kontrolle zumindest kohärent. Dass eine solche Subsprache, man könnte auch von einem Dialekt sprechen, von den Angehörigen einer anderen Dialektgruppe als Verfall angesehen wird ist ebenso natürlich wie subjektiv.

    Kommentar von Knut — September 6, 2011 @ 11:56 am | Antwort

  12. Dazu würde ich gerne sagen, dass auch die Aussage nicht so ganz richtig ist.
    Open Source bedeutet im Sinne, es gibt einen Herrausgeber, und vieeele (freie) Leute die daran arbeiten um es zu verbessern – korrekt.
    Freeware heißt, es gibt einen Hersteller/Entwickler, der sich selbst um das Update eines Programms kümmert.
    Der Duden sozusagen unser Freeware Herrausgeber, hat sich allerdings den Quellcode gesichert. Keiner darf diesen Quellcode verändern, sprich, die deutsche Sprache. Wenn man einen Verbesserungsvorschlag hat, kann man diesen einreichen. Ob es dann umgesetzt wird hängt von zwei Dingen ab: 1. Will der Hersteller, dass dieses ‚Update‘ eingeführt wird? Und 2. ist das Update logisch nachvollziehbar? Beispielsweise wäre das „Stängel“, welches seit der neuen Rechtschreibung mit ‚ä‘ geschrieben wird, weil es von „Stange“ kommt.
    Also ist auch deine Aussage nicht ganz korrekt. Wir befinden uns tatsächlich in einem Freewaremodell. Der Duden hat den Quellcode, und man darf ihn nicht verändern.

    Kommentar von Simon Becker — Januar 18, 2012 @ 9:55 am | Antwort

    • Kann es sein, dass Du an der TU/FU studiert hast 🙂 ?

      Grüße

      Kommentar von marta — Februar 25, 2012 @ 10:35 am | Antwort

  13. Moment mal! Zum einen wurde mit der Rechtschreibreform dem Duden die alleinige Macht über die deutsche Sprache wieder entzogen. Und zwar aus genau dem Grund, dass ein einzelner Verlag etwas zu willkürlich über die Regeln und ihre notwendigen Änderungen bestimmt hatte.
    Und selbst als es noch so war, hat die Dudenredaktion nicht einzelne Anträge und Vorschläge entgegengenommen, sondern sich die Entwicklung der Sprache angeschaut und ihre Regeln dem Sprachgebrauch angepasst.

    Kommentar von claudiathur — Januar 18, 2012 @ 10:02 am | Antwort

  14. […] (Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware) […]

    Pingback von Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware « turcanin. cu ţ. — Februar 3, 2012 @ 8:33 am | Antwort

  15. Stengel, m, also: der ! Stengel. Stängel ist falsch, weil dieser Begriff eben n i c h t von Stange kommt.
    Beispiele für solche Fehler gibt es einige in der aktuellen Rechtschreibreform.
    Änderungen wurden ohne Kenntnisse der Lingua vorgenommen. – Der geneigte Leser möge mir dieses Fremdwort nachsehen. –
    Die Äußerungen zumindest eines Mitgliedes des ‚Rat für deutsche Rechtschreibung‘ lassen meinerseits berechtigte Zweifel an den allgemeinen und besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten aufkommen.
    Quelle: Befragung von Hans Zehetmair, Chef des deutschen Rechtschreibrates, erschienen in der DLZ am 07.01.2012 von Britta Schultejeans.
    Und ja, ich bemühe mich um die alte Schreibweise, ganz bewußt.

    Kommentar von Udo Arndt — März 11, 2012 @ 10:50 am | Antwort

    • Wenn Sie jetzt noch verraten, um welche Äußerungen es sich handelt, kann auch jemand mit Ihnen diskutieren.
      Auch eine Herkunftserläuterung des Wortes Stengel könnte hilfreich sein.
      Und zuletzt wüßte ich noch gerne, was die Unzulänglichkeiten es Rates für deutsche Rechtschreibung mit der Frage nach „Rechtschreibung überhaupt“ zu tun haben?

      Kommentar von claudiathur — März 11, 2012 @ 10:56 am | Antwort

  16. When choosing the colours for you office, there are a few basic points to consider. ekeaeeagdeed

    Kommentar von Johne637 — Juli 20, 2014 @ 11:08 am | Antwort


RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: